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Sich integrieren?

Diese Woche haben die Kinder der zweiten Klasse in der Schule meiner Kinder Lina begrüsst, ein verspieltes, verträumtes, grosses, blondes, blauäugiges Mädchen mit deutschen Wurzeln.
Seit dem ersten Schultag fühlt sich das Mädchen wie ein Fisch ausserhalb des Teiches. Jeden Morgen trennt sich die Mutter liebevoll von ihr und spricht ihr ermutigend zu. Beide leiden. Alle die zusehen leiden mit und erinnern sich an ähnliche persönliche Momente.

Meine Freundin Mirta habe ich vor einem Monat kennengelernt. Obwohl sie mehr als 30 Jahre in Miami wohnt will sie kein Englisch lernen. Mirta ist wie Vanesa, eine seit vierzig Jahren in Luzern lebende Italienerin, die sich weigert Deutsch zu sprechen.
Beides sind nette, fröhliche Frauen mit traurigem Blick. Sie haben entschlossen, ihr Zuhause in Heiligenstätte der Freude zu verwandeln, da sie diese ausserhalb ihrer vier Wände nicht finden. Mirta und Vanesa ziehen sich zurück und sondern sich von den restlichen Menschen ab. Ihre Priorität ist es das Ihrige zu bewahren und das Kochen ihrer traditionellen Spezialitäten ermöglicht es ihnen ihre innersten Emotionen zu teilen. Für Mirta und Vanesa war die Integration nie Teil ihrer Pläne.

Für die kleine Lina wird die Integration eine Frage einiger weniger Monate sein, denn sie muss sich wohl fühlen mit ihren Mitschülern und Lehrern. Ihre Priorität ist es die Sprache zu erlenern, um sich mitteilen zu können. Der Satz “ich will mich nicht integrieren” hat keinen Platz in ihren Vorstellungen.

Lina leidet und wird soviel oder mehr leiden als ich oder jeder von uns, der durch die verschiedenen Prozesse der Integration in einem fremden Land geht. Aber Kinder verstehen sehr gut, dass ihnen nichts anderes übrig bleibt als das zu lernen, was andere Kinder machen: Englisch sprechen, lernen und mit neuen Freunden spielen.

Viele von uns sollten diesem Beispiel folgen. Ja, Lina weint, zappelt, schreit, aber gleichzeitig steckt sie alle ihre Energie hinein, um vorwärts zu kommen und sich glücklich zu fühlen. So wie sie es in ihrem Land einmal war.

Wer träumt nicht davon, sich so wohl oder noch wohler als im Heimatland zu fühlen? Wer möchte gleich und ohne Diskriminierung behandelt werden?

Die Freundin meiner Kinder hat sicher auch einsame Tage, an denen sie Fehler macht, sich dafür schämt oder schlicht die Fragen nicht richtig beantworten kann. Wahrscheinlich beisst sie sich auf die Zunge, um nicht ihre Gefühle laut hinauszuschreien und ihr Herz schmerzt, weil sie nicht verstehen kann, was die anderen von ihr denken. Haben wir nicht auch das Gleiche erlebt?

Ich höre konstant, die Integration der Kinder ist einfacher, denn sie lernen schnell, sie absorbieren alles, wie ein Schwamm.

Ich bin da anderer Meinung. Für mich ist der Prozess der Integration bei Kindern und Jugendlichen genau gleich lang und mühsam. Der Unterschied macht die Einstellung und den Aufwand jedes Einzelnen. Hier können wir viel von Kindern und Jugendlichen lernen.

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