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Die Schweiz und ich

Luzern, im Mai 2015

Einleitung

Mein Integrationsprozess in der Schweiz dauerte in etwa 10 Jahre und war alles andere als einfach. Einer der Hauptgründe war meine Fehlinterpretation des Begriffs Integration. Während der ersten fünf Jahre dachte ich, dass ich mich um jeden Preis meiner neuen Umwelt und deren Gegebenheiten anpassen müsste. Zu diesen gehörten Pünktlichkeit, Organisation, Disziplin, Konzentration und eine gewisse Steifheit. Als typische Südamerikanerin, unpünktlich, fröhlich und spontan, war ich mit dieser Gesellschaft nicht kompatibel. Anders ausgedrückt, ich würde niemals die nötige Perfektion für die Schweiz und die Erwartungen der Gesellschaft erreichen.
Nach einem Jahr in meiner neuen Heimat, besuchte uns meine Mutter. Den Schreck, den sie erlebte als sie mich sah, liess mich realisieren, dass die Maria Fernanda, die mich jeden Morgen aus dem Spiegel betrachtete, nicht mehr ich war. Die Frau im Spiegel war gestresst, ernst und zeigte eine gewisse Härte. Ihre Augen waren traurig, ihre Aura war gedämpft. Die Zähne waren in einem schlechten Zustand, Haare und Nägel glänzten nicht mehr wie früher, sie waren trocken und brüchig. Die alte Maria Fernanda war spontan, glücklich, sang immer Lieder und liebte es Witze zu erzählen. Nichts von alledem fand im Leben der neuen Maria Fernanda statt. Integration war für mich eine Pflicht, doch dies war nicht der Sinn der Sache.
In dem Moment begriff ich, dass die neue Herausforderung in meinem Leben, meine verlorengegangene Autentizität wiederzufinden und die Bedeutung von Integration neu zu definieren, war.
Die folgenden Texte wurden während einem Jahrzehnt für eine ecuatorianische Zeitung geschrieben und beschreiben den persönlichen und familiären Integrationsprozess in drei Kontinenten.
Ich hoffe, Ihr habt Spass beim Lesen dieser Texte, so wie ich ihn hatte, als ich dieselben schrieb.

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